Helfen heisst, heile Welt zerreissen 01.01.2009
Gewalt gegen Frauen ist Alltag – mein Alltag. HeymannSchnell schockiert – nicht mit Blut und Geschrei, viel schlimmer: Die Agentur schockiert mit der Wirklichkeit.
Auf Schüler-Handys läuft das neueste Jamba-Filmchen gleich nach einem Enthauptungsvideo. Ein Mädchen, das verstümmelt wird? Kenn ich schon. Ging’s darum nicht in der letzten Folge CSI?
Was TERRE DES FEMMES zu sagen hat, droht zu verschwinden in einer Welt, in der alles überall präsent ist. Nicht nur Informationen überfluten uns. Auch Bilder und Geschichten, die in dieser Menge längst keine Gefühle mehr auslösen. Die Katastrophe ist Dauernachricht. Morde, Vergewaltigung und Kriegsverbrechen gibt’s bei uns schon zum Frühstück, wenn wir Radio hören oder Zeitung lesen.
Wie wird die Stimme von TERRE DES FEMMES trotzdem gehört? Die von Heymann Schnell entwickelte Kampagne zieht den Betrachter aus seiner Gleichgültigkeit, indem sie ihn Gewalt entdecken lässt, wo er sie nicht vermutet: in seinem Alltag. Die Hochglanz-Anzeige und das Großflächenplakat sind beschädigt – der Betrachter entdeckt einen Riss in seiner Welt. In der Broschüre von TERRE DES FEMMES verursacht er ihn sogar selbst: Er muss die Seiten zerstören, um weiterlesen zu können.
Hinter dem Riss wartet die Erkenntnis: Das hier ist anders. Hier geht es um echte Aktion, die jetzt gerade geschieht. In den nächsten zehn Minuten werden in meiner Welt 354 Frauen verprügelt, 11 Frauen verschleppt und die Genitalien von 55 jungen Mädchen verstümmelt. Wenn das in meiner Welt geschieht, dann wird es nicht helfen, den Fernseher auszuschalten oder die Zeitung zusammenzufalten. Dann kann ich antworten. Dann muss ich antworten.
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Kampagne